Als die Sonne im Meer verschwand_fundwerke_042016Das Buch „Als die Sonne im Meer verschwand“ habe ich von meiner Freundin C. geschenkt bekommen und überhaupt keine Ahnung gehabt, was mich da erwartet.

Die Geschichte, geschrieben von Susan Abulhawa, die teilweise von einem Toten erzählt wird, beginnt vor der Ausrufung des Staates Israel im Jahr 1948.

Der Klappentext ist ein wenig irreführend. Die Liebesgeschichte – wenn man sie überhaupt so nennen kann – steht nicht im Mittelpunkt und Nur, eine der Hauptpersonen, taucht auch erst in der 2. Hälfte des Buches auf.

Heimat, Krieg, Frieden, Hoffnung

Erzählt wird eine Familiengeschichte auf verschiedenen Zeitebenen mit einer Portion Mystik. Ein Roman über die schwierige  Situation einer palästinensischen Familie, die durch Flucht und Verzweiflung gekennzeichnet ist, bei der aber immer und immer wieder auch eine überwältigende Hoffnung voller Poesie zum Vorschein kommt.
Verstörend ist, dass zum Teil mit der gleichen Poesie ohne jegliche Vorwarnung von brutalen Ereignissen berichtet wird, die als fast selbstverständlich dazugehörend erscheinen – dann ist man ganz plötzlich mit der gnadenlosen Realität der Geschichte und Gegenwart im Gaza-Streifen konfrontiert.
Geschildert wird das Leben hauptsächlich im von Israel besetzten Gaza-Streifen, dem „größten Freiluftgefängnis der Welt“, wie es auf den letzten Seiten des Romans beschrieben wird. Der politische Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist nicht immer durch deutliche Worte präsent, aber er liegt wie ein Schleier über dem Leben aller zur Familie gehörenden. Umso bewundernswerter ist die Kraft und der Zusammenhalt der Frauen aus drei Generationen, die trotz aller Schicksalsschläge und Einschränkungen nie den Lebensmut komplett verlieren. Die junge Nur, die palästinensische Wurzeln hat und in den Vereinigten Staaten unter schwierigsten Umständen aufgewachsen ist, kommt als Erwachsene aus beruflichen Gründen nach Gaza und entdeckt überraschende Verbindungen zu den Menschen dort. Damit nimmt ihr Leben eine völlig neue Wendung.

So schlägt die Geschichte einen Bogen vom Einfall der Israelis in Palästina 1948, bei dem Nazmiyya als junge Frau hilflos mit ansehen muss, wie ihre Familie zum größten Teil getötet und sie selbst mehrfach vergewaltigt wird, über den Sechstagekrieg in den 60ern bis hin zur aktuellen Lage in der Region.

Der Konflikt zwischen Israel und Palästina bekommt ein menschliches Gesicht; anderes als wir es immer in den klassischen Nachrichten präsentiert bekommen.

»Das bewegende Porträt einer Familie im Konflikt zwischen Israel und Palästina! Als die amerikanische Psychologin Nur von einem palästinensischen Kollegen eine Einladung nach Gaza erhält, werden die Erzählungen ihres Großvaters wieder lebendig. Vom Meer, von den Olivenfeldern, von den Menschen, die einst in Frieden lebten. Die Not der Flüchtlinge in Gaza ist für Nur ein Schock. Doch endlich lernt sie ihre Wurzeln kennen und spürt zum ersten Mal so etwas wie Geborgenheit. Immer tiefer taucht sie in die Geschichte ihrer Familie ein, die untrennbar mit dem politischen Konflikt zwischen Israel und Palästina verflochten ist. Und sie ahnt, dass sich ihr Leben in Gaza für immer verändern wird…«

Und ja, man könnte kritisieren, dass das Buch einseitig sei. Und ja, aber natürlich ist es das, schließlich erfährt man alles aus der Sicht einer palästinensischen Familie.

Trotzdem empfand ich den Roman nicht polemisierend, noch nicht einmal in erster Linie politisch; das Private dominiert, das Politische gibt einen Rahmen. Wer sich auch mal auf die Perspektive palästinensischer Menschen im Gaza-Streifen einlassen will, der erfährt hier eine Menge.

Wenn man sich vorstellt, wie viel menschliches Leid die Geschichte zwischen Israelis und Palästinensern schon hervor gebracht hat, dann ist es fast unvorstellbar, wie man dort einmal wieder friedlich nebeneinander leben soll. Und trotzdem – ich hoffe für die Menschen, die dort einfach nur leben müssen, leben wollen  – egal auf welcher Seite – dass auch dieser Wahnsinn irgendwann ein Ende haben wird.

Das Buch wirkt nach dem Lesen noch eine ganze Zeit nach.

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One Response to Als die Sonne im Meer verschwand

  1. […] wie ich das Buch Als die Sonne im Meer verschwand gelesen hat, dem geht es vielleicht wir mir – vor dem Hintergrund des […]

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