Frauen sind also weder Erwachsene noch können sie Rentner sein?

Ich wollte es ja wirklich kaum glauben, als ich neulich, bei einem E-Junioren-Fußballspiel meiner Tochter, tatsächlich zum ersten Mal dieses Schild am Eingangstor eines Nachbarvereins entdeckte.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt oder sogar gleich auf den Zug der Gleichberechtigungsdebatte aufspringen will.

Ich habe dazu eine weibliche, erwachsene (!) und hier gebürtige Fußballspielerin gefragt – sie sagte mir, dass „das“ bei den hiesigen Regionalvereinen (ich wohne in Oberfranken) durchaus üblich sei. Wirklich ärgerlich sei aber, wenn dann bei Frauenfußballspielen die Frauen auch Eintritt zahlen sollten, den Männern der Eintritt aber nicht konsequenterweise erlassen werde.

Als Überbleibsel aus den Siebzigern hat sich in den unteren Amateurklassen eine Gepflogenheit erhalten: Der Eintritt kostet hier für Frauen weniger bis gar nichts. Die guten Absichten eines solchen Schildes dürfen also auf keinen Fall in Frage gestellt werden, auch wenn damit eine altväterliche Genderpolitik der Fußballvereine einhergeht, über die Frauen wie ich schon mal stolpern können. Frauen sollten und sollen so auf Fußballplätze der Regionalvereine gelockt werden – mit wenig oder keinem Eintrittsgeld.

Vor vierzig Jahren sah man nämlich kaum Frauen auf dem Fußballplatz, auch nicht auf den Zuschauerrängen. Wenn überhaupt, dann sorgten Sie dafür, dass das Vereinsheim sauber blieb, backten Kuchen und kochten Kaffee, wuschen Trikots und, und, und… Im Übrigen tun sie das auch heute noch, allerdings gibt es einige, die tatsächlich inzwischen ebenso selbst Fußball spielen und sich unter die männlichen Zuschauer mischen.

Daher erachten es viele Entscheider bei den Vereinen sogar als ökonomisch sinnvoll, bei den Frauen auf die Eintrittsgelder zu verzichten. Sie haben Angst, dass die Frauen sich sonst nicht mehr blicken lassen – weder auf dem Spielfeld, noch bei den Zuschauern oder hinter der Kuchentheke. Die Angst ist vielleicht nicht ganz unbegründet.

Mit „Erwachsene“ dürften also Männer gemeint sein, die 2,50 Euro zahlen müssen, Rentner können für 2,00 Euro zuschauen, Schüler für 1,50 Euro. Bleibt offen, was Schülerinnen und Rentnerinnen dann zahlen müssen?
Als „Zuagroaste“, wie man in München sagen würde, habe ich mich aber nicht getraut, zu fragen…

[Und wie das manchmal so ist, kaum wird man selbst zum ersten Mal auf Etwas
aufmerksam, schon begegnet es einem in der Folge an unterschiedlichsten Stellen,
z.B. auch in der SZ online.]

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