3 x 50 kg Front Squat – nie hätte ich damit gerechnet.

Klar gibt es Leute, die weit mehr auf die Hantel laden können. Aber, hey, die haben dann vielleicht auch kein Ersatzteil im Bein oder auch nicht mehr als ein halbes Jahrhundert in den Knochen.

13 Jahre ist es inzwischen her, seit mich ein Fremder beim Skifahren über den Haufen gefahren hat – das erste Mal Helm getragen. Zum Glück. Sonst würde ich sicherlich nicht so wo jetzt gerade am Schreibtisch sitzen.
Dreifache Tibiakopffraktur und Oberschenkelhalsbruch im rechten Bein. Notoperation noch in Österreich, Verlegung nach Deutschland und danach direkt 6 Wochen auf Reha. Wieder zu Hause musste ich nach 3 Monaten einbeinigem Hüpfen mit Gehilfen, Platten und Schrauben im Bein, nach und nach wieder laufen lernen. Zu Hause zwei Kinder im Alter von 4 und 7 Jahren, viel Hilfe von unterschiedlich lieben Menschen, eine Haushälterin, vor der meine Kinder Angst hatten, die sich vornehmlich von Zigaretten und Kaffee ernährte, für ein einzelnes Paar Socken die Waschmaschine anschmiss und mehrfach zu spät kam, weil sie u. a. ihren Mann gegen Kaution aus dem Gefängnis auslösen musste; nach vier Wochen verzichtete ich auf ihre „Unterstützung“.

1 Jahr später kamen Platten und Schrauben wieder raus; alles war gut.

Aber nach 4 Jahren wollte die Hüfte als Spätfolge des Skiunfalls nicht mehr so wie ich und ging buchstäblich in die Knie.
6 Jahre ist es nun her, dass ich mir zu Weihnachten eine Hüftprothese geschenkt habe. Wirklich ein Geschenk!

Ich muss mich immer wieder daran erinnern, wie weit ich in den Momenten gekommen bin, die mich am meisten gefordert und frustriert haben, und ich muss mich in Dankbarkeit für die Widerstandsfähigkeit und Kraft meines Körpers in den Zeiten üben, in denen nicht nur Probleme mit meinen Knien, der Hüfte oder anderen Unzulänglichkeiten dazu führten, dass ich mich zurücknehmen und geduldig sein musste, sehr geduldig, aber konsequent.

Heute fahre ich immer noch Ski, gehe mit meinem Nachwuchsteam Peulendorf laufen und bin Teil des Löwenrudels bei CrossFit Bamberg.

Ich danke allen von Herzen, die, wenn es mal nicht so wie gewünscht gelaufen ist, an meiner Seite waren, mir in den Momenten, in denen ich sowohl die Höhen als auch Tiefen dieser Reise durchlebte, den Rücken gestärkt haben und mir sagten: „Du bist so viel stärker, als Du glaubst!“

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4 Responses to Persönlicher Rekord

  1. Liebe Silke, ich freue mich immer wieder mit dir in Kontakt zu stehen. Deine Offenheit, Geradlinigkeit und auch Warmherzigkeit beeindrucken mich immer wieder. Deine Texte treffen in meinen Alltag und manchmal sind sie eine wohlige Erinnerung, ein herzhaftes Lachen und oft eine klare Positionierung zum Menschsein. Danke dafür und mach weiter. Deine Margarete

    • fundwerke sagt:

      Danke Dir, liebe Margarete, da hast Du mir aber jetzt mit Deinen Worten den Abend wunderbar versüßt! Schön, dass wir uns immer wieder im Netz begegnen; wer weiß, vielleicht gelingt es uns auch mal von Angesicht zu Angesicht. :)

  2. Jens sagt:

    Liebe Silke,

    Kraft, Mut und ein unbändiger Wille, nicht aufzustecken…das lese ich aus Deinem Text.

    Eine starke Persönlichkeit und ein tiefgehendes Warum

    Danke Dir für Das Teilen

    Liebe Grüße, Jens

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