Karl Otto Götz, 1914 – 2017, Ohne Titel, 1965

„Was mein Leben reicher macht“ in der ZEIT und die Reihe „Ich habe einen Traum“ im ZEITmagazin lese ich, komme was wolle, jede Woche, auch wenn ich es leider viel zu häufig nicht schaffe, auch nur eine Seite mehr der wöchentlich erscheinenden Zeitung zu lesen. Aber die beiden lasse ich mir nicht nehmen. Weil sie – tatsächlich – mein Leben reicher machen!

»Im Alter von 103 Jahren ist gestern K.O. Götz gestorben, der große abstrakte Maler, dessen Kunst von den Nazis verboten wurde und die nach dem Krieg um die Welt ging. In unserer Reihe Ich habe einen Traum hat er vor fünf Jahren erzählt, was er vom Leben gelernt hat, Oliver Mark hat ihn fotografiert. „Was heißt es schon, 98 Jahre alt zu sein? Dass man den Blödsinn, den man früher gemacht hat, weniger oft wiederholt“, hat er gesagt. „Heute fühle ich mich wie 65, 70, obwohl ich seit acht Jahren fast blind bin. Ich bewege mich unendlich langsam mit einem Stock durch unser Haus. Aber stur, wie ich bin, lamentiere ich nicht. Ich nehme mein Alter wie das Wetter, das lässt sich auch nicht ändern. Aus dem Gegebenen zu schöpfen, anstatt sich daran abzuarbeiten, das Schicksal verändern zu wollen – das schafft Freiheit. In dieser Überzeugung bin ich stets auch meinen Schülern begegnet.“ Zu seinen Schülern gehörten Gerhard Richter und Sigmar Polke, und ich dachte damals schon, als ich seinen Traum las, dass ich mir das merke – aus dem Gegebenen schöpfen, darum geht es doch. Noch einmal Götz aus seinem Traum: „Immerhin höre ich nach wie vor sehr gut. Ich liebe es, dem Specht vor unserem Haus zu antworten. Ein, zwei Mal, öfter lässt er sich nicht foppen. Wenn meine Frau Rissa und ich gemeinsam spazieren gehen, beschreibt sie mir die Farbe des Laubs. Rissa und ich sind seit 52 Jahren ein Paar, wahrscheinlich, weil wir uns gegenseitig immer genügend Raum gelassen haben – als Menschen und als Künstler.“«

[Fundort: Newsletter ZEITmagazin: Was für ein Tag!]

Ungelogen, ich dachte mir damals tatsächlich auch, dass ich mir das merken muss: „Aus dem Gegebenen zu schöpfen, anstatt sich daran abzuarbeiten, das Schicksal verändern zu wollen – das schafft Freiheit.“ – eine ständige, fortwährende Übung, die mir mal mehr mal weniger gut geling, vor allem dann nicht, wenn ich partout nicht einsehen möchte, dass man an manchen Gegebenheiten wirklich nichts ändern kann. Gar nicht so einfach, das mit der eigenen Freiheit und das mit dem Schöpfen.

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