Fundworte9_fundwerke_042013»Anerkenne das, was jetzt da ist in deinem Leben. Nimm es an, damit es sich wandeln kann.«

~ Robert Betz

…grundsätzlich erstmal keine leichte Übung! Wieviel Kraft brauchen wir, um uns selber auszuhalten!?

Heute mal keine Fundworte, die ich einfach so stehen lassen möchte und kann. Da muss ich schon ein wenig weiter ausholen.

Da mir der Name Robert Betz bislang nur hin und wieder in anderen Facebook-Posts über den Weg gelaufen ist, habe ich mal ein wenig recherchiert.

Robert Betz, Diplom Psychologe, sagt, die Haltung der ANNAHME, das JA zu dem, was gerade jetzt ist, sei ein entscheidender Schritt der Wandlung des Bestehenden.

Nicht ständig lamentieren, ertragen, abnicken oder resignieren. Robert Betz möchte, dass man auch negative Gefühle und Begebenheiten aktiv annimmt und zulässt. Erst, wenn man diese auch bejahend gefühlt habe, könne man sie verwandeln und damit die eigene Situation zu einem Besseren machen.

Es geht wohl darum, nicht nur mit sich selbst ins Reine zu kommen, sondern auch auf Dauer im Reinen zu bleiben.

Allerdings…

Und jetzt kommt mein großes ABER – so, wie Betz die Möglichkeit zur Veränderung beschreibt, hört sich das für mich nicht nur ein wenig zu einfach an. Hinzu kommt, dass ich solchen ‚Heilsbringern‘ immer auch ein wenig skeptisch gegenüber stehe.

Ich frage mich:

Ist es nicht vermessen, das ANNEHMEN generalistisch einzufordern, aus einer komfortablen Situation heraus, die man sich freiwillig wählen durfte, während für etliche Menschen nichts von dem, was viele von uns als Leben genießen dürfen, selbstverständlich ist?

Soll dieses ANNEHMEN etwa auch für die Menschen als Postulat gelten, die darum bangen müssen, ob der Rest der Familie in Trümmern begraben liegt, die dabei zusehen müssen, wie ihr eigenes Kind vor ihnen stirbt, die täglich häusliche Gewalt erfahren, die keine Schule besuchen können, ohne Angst haben zu müssen, dass der Schulweg über Nacht zerstört wurde?

Ich hab‘ da so meine Zweifel!

Ist das ANNEHMEN vielleicht nur für jene umsetzbar, die das Glück haben, ihr Leben, wie sie es jetzt führen und leben dürfen, bequem eingerichtet haben zu können? Die den Luxus haben, sich in der Regel nicht um das nackte Überleben sorgen zu müssen? Die sich den Luxus leisten können, sich über Formen des ANNEHMENS Gedanken machen zu können.

Würde Robert Betz sein eigenes Postulat auch bejahen können, wenn er nicht freiwillig Entscheidung treffen könnte? Würde er bejahen können, wenn er nicht im Frieden lebte, wenn er dabei zusehen müsste, dass seine Kinder (ich weiß gar nicht, ob er welche hat), egal was er tut, keine Zukunft hätten, wenn er mit Hartz4 seinen Lebensunterhalt bestreiten müsste, wenn er kein ‚reicher Poet‘ wäre, der sich über die Befriedigung existentieller Grundbedürfnisse keine Gedanken mehr machen muss?

Vielleicht so?

Vielleicht soll sich die Aufforderung zum ANNEHMEN auch mehr an die Menschen richten, denen es – wie sagt man so schön – im Grunde genommen doch gut geht:
Raus aus der komfortablen Ecke, die wir uns warm und bequem eingerichtet haben; das Wolkenkuckucksheim verlassen!

Dann erst erfährt man Neues für den Umgang mit seinem Leben, über das Gelingen und Scheitern. Etwas Neues über den anstrengensten Menschen, den wir kennen – uns selbst.

Das wäre für mich o.k. So könnte ich für mich die heutigen Fundworte verstehen.

Sie allerdings als generelles Postulat für alle Menschen zur Möglichkeit des Wandels zum Guten hin zu verkünden, halte ich für vermessen und hochmütig.

[Fundort: eMail mit Link zu Robert Betz]

Fundworte: Mach mit - schick mir Fundworte, die Dich stark machen!

[Ein bisschen erinnert mich das Postulat auch an die Anfang der 60er Jahre von
Egon Bahr und Willy Brandt auf Vorträgen in der Evangelischen Akademie Tutzing
diskutierte und verfolgte Entspannungspolitik als Zeichen einer neuen Ost-
politik: Wandel durch Annäherung. Aber das nur als kleiner Gedankeneinschub,
ich schweife ab – sorry.]

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