Wenn Dein Koerper um Dein Leben kaempft_fundwerke_052016So ab 40 spürt man es und bekommt es auch zunehmend im Freundesdunstkreis mit: Der Lack geht ab. Der Körper gibt hier und da nach, steht einem manchmal im Weg, kann einen ganz schön ärgern, wird krank, verabschiedet sich im schlimmsten Fall.

Vor zwei Jahren habe ich mir zu Weihnachten ein neues Hüftgelenk geschenkt. Es war wirklich ein Geschenk!

Das eigene Gelenk wollte nicht mehr so wie ich. Spät-Spät-Folge eines Skiunfalls, nach dem ich nach drei Monaten das erste Mal wieder mit beiden Beinen auf dem Boden stehen durfte, und dann erstmal wieder laufen lernen musste.

Ein Jahr später? Schrauben und Platten raus und wieder ab auf die Piste, beim Yoga verbogen, alles gemacht, was ich machen wollte; kein Mucks mehr von meinem Körper. Er hat mich weder im Heilungsprozess noch danach im Stich gelassen; stand eng an meiner Seite, war mir zu Diensten und mit mir gekämpft.

Doch dann, nach ein paar Jahren – plötzlich diese zunächst undefinierbaren Schmerzen bis weder Yoga, noch Wandern noch irgendwas mehr so richtig ging; der Alltag nur mit Schmerzmitteln.

Das Gefühl, körperlich gehe alles bergab, kann einen auf Dauer ganz schön depremieren. Plötzlich spürte ich wieder meine eigene Verletzlichkeit.
Der Körper blieb hartnäckig. Machte auf sich aufmerksam. Er wollte, dass ich ihn nicht mehr nur als Mittel zum Zweck nutze.

Recht hatte er! Schließlich ist das, was nicht weh tut, das, was wir als selbstverständlich hinnehmen, um daraus unsere Kraft für’s Leben zu holen. Und wir denken viel zu selten daran, sondern mosern erst rum, wenn’s auf einmal nicht mehr so selbstverständlich genutzt werden kann und funktioniert.

O.k., ich schenkte ihm und mir das Ersatzteil. Und seitdem lässt er mich nicht mehr im Stich, ist immer noch eng an meiner Seite.

Etwas, was ich bei meiner Hüftgeschichte gelernt habe: Ich liebe mein Ersatzteil, wir sind sehr gut befreundet. Aber ich weiß auch, dass ich auf es aufpassen muss, wie auf meinen ganzen Körper.
Insofern freue ich mich immer wieder tierisch darüber, was alles (wieder) geht. Mein Mann meint sogar, mein Skifahren sei mit Ersatzteil besser als zuvor ohne!
Und wenn’s mal hier und da zwickt oder Einschränkungen gibt, dann ärgert mich das zwar kurz oder ich bin beunruhigt, aber ich weiß dann auch, dass mein Körper sein Bestes tut; auch das gehört einfach zum Älterwerden dazu, wenn man langsam auf die 50 zugeht:

Er kämpft um mein Leben. Der Geist (mentale Stärke hin oder her) bekommt das alleine nicht gewuppt.

Die einzige Alternative wäre, früher zu sterben. Und das will ich definitiv nicht. Ein anderes Leben gibt es nicht.

Mein Körper funktioniert schließlich viel mehr, als das er nicht funktioniert. Darüber freue ich mich und bin immer wieder erstaunt und dankbar; manchmal ist eben auch eine Portion Mitgefühl angesagt.

Und – bis es dann mal soweit ist, dass mein Körper auch mein Grab ist (so sagen es die alten, schlauen Griechen), versuche ich Folgendes, so gut es geht, zu beherzigen:

»Man muss dem Körper Gutes tun, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.«
~
Winston Churchill

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