Letzte Worte_fundwerke_012014if I die Facebook-App

– Bestattungskultur in Internet-Zeiten

»World fame is waiting – what will you leave behind?«

Was will ich meinen Kontakten hinterlassen, wenn ich mal sterbe? Welche Worte soll ‚die Welt‘ noch von mir lesen können? Die Facebook-App ‚if I die‘ bietet die Möglichkeit, heute eine Video- oder Textnachricht zu erstellen, die erst veröffentlicht wird, wenn man gestorben ist.

Der Nutzer markiert in seinem Facebook-Profil, an welche seiner Facebook-Kontakte die Nachricht gesendet werden soll – nicht zu Lebzeiten, sondern erst nach seinem Tod. Die Vorstellung lockt, dass – rein theoretisch – Millionen von Menschen die Botschaft lesen könnten. “World fame is waiting”, lautet der Slogan.

Damit soll wohl der Menschen Sehnsucht angesprochen werden, von anderen wahrgenommen zu werden, eine Bedeutung zu haben.

Ist das Teil einer neuen Bestattungskultur in Zeiten des Internets? Der Tod als Zeichentrickfigur, der im Video verschmitzt um die Ecke schaut; ein Werbefilm, unterlegt mit einer Musik, die auch gut zu Windelwerbung passen würde?

Wer sich seine eigene Meinung dazu machen will, der klickt hier:

Letzte Worte_2_fundwerke_012014

Für mich kommt die Nutzung einer solchen App nicht in Frage.

Erwähnenswert finde ich sie dennoch. Hat die Diskussion über eine solche Anwendung doch zumindest den Nutzen, dass sich Menschen über das Sterben und den Tod austauschen, das Tabuthema ‚Tod‘ ggf. wieder ein bisschen mehr ins Licht gerückt wird.

Meinungen dazu?

 

[Das Beitragsbild ist ein Screenshot aus dem YouTube-Video zur App.]

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6 Responses to Letzte Worte

  1. Margot sagt:

    uff, davon muss ich mich kurz erholen.
    Kein Witz? Wahrscheinlich nicht, denn darauf haben bestimmt insgeheim schon viele gewartet. Nur schade, dass die Teilnehmer im Falle des Falles die Gesichter derer nicht sehen können, an die die Nachricht gerichtet ist. Bollywood par excellence!
    M.

  2. …schwieriges Thema, also auf der einen Seite kann die App „if i die“ schon nützlich sein, aber ob das Medium das Richtige dafür ist, bezweifle ich eher. Vielleicht bin ich einfach zu altmodisch veranlagt, aber meine letzten Worte würde ich doch lieber in einen Abschiedsbrief aus echtem Papier „verewigt“ sehen. Außerdem empfände ich es als komisch wenn nicht sogar makaber, dass eine App quasi auf meinen Tod wartet, bis sie irgendwann ihren „Dienst“ erfüllen kann.

  3. Jörg sagt:

    Ich finde das schon sehr obskur, aus zwei Gründen. Zum einen ganz praktisch: Woher weiß die App, dass man tot ist? Oder wer löst das Kommando dann aus? Und zweitens: Der Glaube, Facebook wäre für ewig. Der Großteil der Nutzer lebt erst seit einigen Jahren in der Digitalen Welt. Die Vorreiter vielleicht schon seit 15 Jahren. In dieser Zeit sind Giganten gekommen und gegangen. Woher will man wissen, dass das Facebook von heute nicht das MySpace oder Yahoo von morgen ist?

  4. Lars sagt:

    Da muss ich Jörg zustimmen! Ich frage mich auch woher die App weiß das man gestorben ist! Und die angehörigen wissen u.U. nichts davon bzw. ist es eh egal, denn die haben ja andere sorgen als an irgendeine App zu denken.
    Ganz merkwürdige Erfindung!

  5. Tina-Maria sagt:

    Hallo, Sachen gibt es – makaber finde ich. Also ehrlich, ich möchte so was nicht haben. Eine App, die sagt, wann man gestorben ist und das an Freunde sendet. Wer aktiviert die dann, wenn man im Jenseits ist???

    • fundwerke sagt:

      Eine Auswahl aus Facebook-Freunden (2 – 3 Personen; vertrauenswürdige) werden mit der App zu Lebzeiten ausgewählt. Diese müssen dann für den Fall, dass man gestorben ist, den Tod des App-Benutzers bestätigen. Erst dann wird der letzte Gruß auf der Pinnwand veröffentlicht.

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