VerhandlungssacheArmlehne_fundwerke_052013Von mir aus können alle, die das wollen, ständig und dauernd mit der Welt kommunizieren. Ich frag‘ mich nur manchmal, ob das nicht auch leiser geht.

Erst neulich wieder,

als ich mit dem Zug ein längeres Stück unterwegs war, gab ich schon fast der Versuchung nach, einem mir völlig fremden Mann einen Privatkredit anzubieten.
Was war geschehen? Besagter telefonierte so laut im Großraumwagen, dass man einfach nicht weghören konnte, es sei denn, man hatte Kopfhörer oder zufällig ein Paar Ohropax einstecken. Der arme Kerl musste seinen Sportwagen – es handelte sich um einen Mazda MX –  reparieren lassen, damit er, wenn er von der Reise zurück sei, auch wieder verlässlich im Headoffice aufschlagen und dort für Ordnung sorgen könne. Unglücklicherweise waren die kalkulierten Reparaturkosten wohl höher als von ihm erwartet, so dass er sich überlegen musste, wie er diese nun auch noch wuppen könnte, nachdem er ja schon mit 6000 Euro im Dispo sei.
Mit dem Angebot zum Privatkredit hielt ich mich letztendlich doch zurück. Dem Herren stand in den nächsten Tagen eine größere Ausschüttung aus findigen Aktiengeschäften ins Haus. Problem – laut ihm – war nun nur noch, die Tage zwischen Ausschüttung und Rechnungsstellung der Autowerkstatt zu überbrücken…

Ein anderer Herr

bekam noch bei der Platzsuche im Abteil in Frankfurt einen Anruf eines „wichtigen Kunden“ und bat die ihrerseits nach ihrem Platz suchenden anderen Fahrgäste herrisch um mehr Ruhe. Wie sich nach ein paar Sekunden herausstellte, konnte der Premium-Kunde die Frau des Angerufenen nicht erreichen, obwohl er doch bei dieser am Nachmittag noch das Bobbycar, welches er bei eBay ersteigert hatte, persönlich abholen wollte – schließlich war doch am Tag darauf der Geburtstag seiner zweijährigen Tochter…

Ich muss sagen – und dabei mag auch ich mein Handy und die ein oder andere App, die es zu bieten hat – es gibt Situationen, da sehne ich mich zurück nach Telefonaten in gelben Telefonzellen oder hinter verschlossenen Türen zu Hause im stillen Kämmerlein.

Fühlen sie sich wie zu Hause

Scheinbar gibt es Menschen, die sind da relaxter, nicht so spießig wie ich. Sie fühlen sich nicht nur beim Telefonieren in der Öffentlichkeit wie zu Hause auf Ihrem Sofa.

Wie anders ist es sonst zu erklären, dass eine der wichtigsten Fragen der Transportbranche nach wie vor nicht geklärt ist, und Menschen wie mich, wenn ich dann mal Zug fahre, regelmäßig in Bedrängnis bringen? Ich weiß, ich weiß, es gibt keinen Anspruch auf einen Sitzplatz mit Armlehne. Trotzdem interessiert mich – wie lässt es sich erklären, dass die meisten Männer wie selbstverständlich die mittlere Armlehne für sich in Besitz nehmen, sich aber wundern, wenn’s eng wird, weil es sich die Frau neben ihnen auch mal ein bisschen bequemer machen will?

»Manchmal hilft es im Umgang mit Menschen, eine Trennscheibe wie im Gefängnisbesuchsraum zu visualisieren.«

– habe ich neulich dazu passend an anderer Stelle gelesen. Vielleicht sollte ich in solchen Fällen auch mal ein wenig mehr meiner Fantasie freien Lauf lassen.

In Situationen, in denen das Visualisieren nicht gelingen will, empfiehlt es sich, selbst aktiv zu werden. Vielleicht auch mit einem entwaffnenden Lächeln, wie es DB-Sprecher Fuhrmann einmal empfohlen hat, zu sagen: „Entschuldigen Sie, wäre es möglich, die Armlehne ab und zu mir zu überlassen?“ Alles Weitere ist dann Verhandlungssache…

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