Nachdem ich heute am Internationalen Tag der Toleranz den Beitrag von Frank Furedi auf NovoArgumente gelesen hatte, stellte ich mir unweigerlich die Frage:

Wie tolerant bin ich eigentlich?

«Toleranz ist eine beträchtliche Leistung, die man sich hart erarbeiten muss. Tatsächliche Freiheit bedeutet, konsequent für das Prinzip der Freiheit einzutreten, also sich nicht nur theoretisch dazu zu bekennen, sondern es im wirklichen Leben zu praktizieren. Das ist keine einfache Aufgabe. Es ist ein Kernproblem unserer Gesellschaft, konsequent tolerant zu sein.», so Frank Furedi.

Der gute Ton

Passend dazu gab es dann noch auf Xing eine Diskussion zum Thema „Umgangston im Öffentlichen Raum“, in der der Initiator dazu aufrief, dass jeder der in Xing schreibt, sich darüber im Klaren sein solle, das er sich in einem öffentlichen Raum befinde. So wenig, wie er sich auf dem Marktplatz eines bestimmten Tones bedienen würde, ohne dass er von der Markbesucher geächtet werde, so sollte man es sich auch in Xing überlegen, wann man den ‚Absenden‘-Button für einen Kommentar drücke. Es entbrannte eine wilde Diskussion darüber, was denn der ‚gut Ton‘ sei bis hin zu der Frage, ab wann eine Verbalattacke als Beleidigung verstanden werden könne.

Aktive Toleranz

Den richtigen Ton zu wählen, hat für mich auch sehr viel mit Toleranz zu tun – Toleranz praktizieren. Dabei ist für mich Toleranz nicht gleichbedeutend mit „Erdulden“. Es geht nicht um bloßes Leben und leben lassen, ohne sich mit der Position des Anderen auseinanderzusetzen, also auch ohne über die Beweggründe nachzudenken, die das Handeln des Anderen hat. Es geht vielmehr um eine aktive Einstellung, die sich auf die Anerkennung der allgemein gültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer bezieht; selbst wenn’s manches Mal schwer fällt. Dazu gehört, die Position des Anderen begreifen zu wollen.

Kommentare

Ich beobachte das immer wieder – jeder findet, und da schließe ich mich selbst nicht aus, immer gute Gründe, warum bestimmte Ansichten totale ‚No-Gos‘ sind.

Der Schritt, diese dann entsprechend polemisch oder beleidigend deutlich zu kommentieren ist dann gerade im Netz leider nur noch ein kleiner, da es auf Internet-Plattformen einfacher ist, persönliche Angriffe unter der Gürtellinie zu fahren, wie wenn die Person, mit der man nicht einer Meinung ist, persönlich vor einem sitzt.

Vielleicht würde es schon helfen, wenn alle Kommentatoren immer auch im Hinterkopf hätte, nur in der Art und Weise zu kommentieren, mit der man auch selbst behandelt werden möchte, ganz gleich, ob man unterschiedlicher oder ähnlicher Meinung ist. Wer mit sich im Reinen ist und ein stabiles Selbstbild hat, der muss sich nicht verbal durch die Abwertung anderer definieren.

‚Achtsam miteinander umgehen‘ und dennoch offen seine Meinung zu sagen – das muss sich doch nicht gegenseitig ausschließen.

Und wann ist Schluß mit lustig?

Der ursprünglichen Bedeutung nach hat Toleranz den Sinn von “hinnehmen”, “ertragen” oder „erdulden“.

Niemand hat die absolute Weisheit wirklich mit Löffeln gegessen, auch ich nicht. Aber das heißt für mich nicht, dass ich tolerant denjenigen gegenüber sein kann, die ihrer Überzeugung nach etwas Richtiges tun, was ich für falsch halte.

Nein, ich bin nicht immer tolerant. Ich respektiere die Haltungen und Eigenarten anderer Menschen, beharre aber ebenso auf einigen meiner tradierten Positionen.

Der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagt:

«Toleranz ist sowohl Bedingung für Frieden, als auch Antrieb für Kreativität und Innovation. In unserer zusammenwachsenden Welt ist Toleranz der Weg, um die Eintracht zu schaffen, die wir benötigen, um den künftigen Herausforderungen zu begegnen und eine bessere Zukunft zu sichern.»

Keine einfache Aufgabe für jeden einzelnen von uns. Vorallem dann nicht, wenn man an Menschen wie z.B. Mahmud Ahmadinedschad, Mitglieder der NSU, die Mutter, die ihrem Kind auf offener Straße die Ohren langzieht, bis es vor ihr auf die Knie geht oder auch den einfach gestrickten Dorfbewohner denkt, der im Getränkemarkt um die Ecke primitive Stammtischparolen lauthals zum Besten gibt und sich über die Kassiererin abwertend lustig macht.

Wie sieht’s aus? Können Sie, könnt Ihr meine Meinung tolerieren? Was ist für Sie/Euch Toleranz?

[Ein sehr schönes, von der UNESCO 1997 preisgekröntes Buch, zum Thema Toleranz
steht noch immer in einem unserer Bücherregale: "Irgendwie anders".
In dem poetischen Bilderbuch von K. Cave und C. Ridell wird beispiehaft
von Vielfalt, Akzeptanz, Offenheit und Freundschaft erzählt.
Dazu aber mehr in einem anderen Post...]

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