Erziehung und Bildung - Politisches Feuilleton - Deutschlandfunk Kultur„Wir haben kein Erdöl – das ist der Grund, aus dem Politiker uns jeden Sonntag erzählen, Deutschlands wichtigste Ressource sei das Wissen und Können der Menschen. Und der Bohrturm, mit dem wir diese Ressource fördern, heißt bekanntlich: Bildung.
(…)
Wären die Emirate am Golf mit ihrem Öl so umgegangen wie wir mit unseren menschlichen Ressourcen – es würde wegen Benzinmangels längst kein Auto mehr fahren.“

Da frag ich mich mal wieder, warum in diesem Land Gehälter von Erzieherinnen, denen wir Eltern unsere Kinder anvertrauen, nur halb so viel Wert sind wie die von Ingenieuren? Schließlich beginnt Bildung lange vor der Einschulung. Was gute Erzieherinnen und Erzieher für Kleinkinder leisten ist nichts anderes als Charakterbildung.

Sein ganz eigenes Temperament bringt jedes Kind schon von Natur aus mit. Aber erst der Charakter ist die Dimension einer Persönlichkeit, die durch die Erziehung zur Einhaltung ethischer Werte entsteht. Jeder von uns muss erst lernen, was es heißt, fair, großzügig, tolerant etc. zu sein.

Und das bringt mich dann auch gleich noch zu der unsäglichen Diskussion über das Betreuungsgeld. Die Qualität einer Betreuung hängt doch von der Zuwendung und den Anregungen ab, die ein Kind bekommt. Geld allein macht es nicht aus. Vielmehr muss ja mal die Frage gestellt werden dürfen, wie die monatliche Zahlung von 100 bzw. 150 Euro in Qualität umgesetzt wird. Ich befürchte einfach, dass mit dem Betreuungsgeld möglicherweise gerade die „falschen“ Kinder bis zur Einschulung zu Hause bleiben.
Es geht nicht darum, einen wertenden Gegensatz zwischen Kinderbetreuung zu Hause und in einer Einrichtung aufzubauen. In beiden Fällen ist die jeweilige Qualität entscheidend.

Giesskanne 2009Unsere Kinder hatten das große Glück, einen bewundernswerten Kindergarten besuchen zu können, in dem sie in einer geborgenen Atmosphäre gemeinsam mit anderen Kindern in ihrer Persönlichkeitsentfaltung unterstützt wurden. Für Vorschulkinder gab es spezielle Angebote, die die Lernbegeisterung geweckt und die Selbstständigkeit gefördert haben. Und das, obwohl auch dort die Erzieherinnen mit Sicherheit nicht mehr Gehalt bekamen als sonst üblich in diesem Beruf. Obwohl sie es verdient hätten! Rückblickend denke ich für mich, dass ich zu Hause nicht diese breite Vielfalt hätte alleine bieten können. Gerade die Mischung von Kindergarten und zu Hause hat es ausgemacht.

[Fundort: Deutschlandradio Kultur, der Beitrag "Kein Kinderkram"
von Stephan Hebel kann hier nachgehört oder gelesen werden.]

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5 Responses to Alles – außer Kinderkram

  1. Heidi sagt:

    In Susanne Stöcklin-Meiers Buch
    „Was im Leben wirklich zählt – mit Kindern Werte entdecken“ las ich Wertvolles u.a. auch folgende tibetische Weisheit:

    Wenn ein Kind verspottet wird,
    lernt es schüchtern zu sein.
    Wenn ein Kind beschämt wird,
    lernt es sich schuldig zu fühlen.
    Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird,
    lernt es geduldig zu sein.
    Wenn ein Kind ermutigt wird,
    lernt es sich selbst zu schätzen.
    Wenn ein Kind gerecht behandelt wird,
    lernt es gerecht zu sein.

  2. Peter sagt:

    Erzieher/innen bekommen deswenig so geringe Gehälter, weil sie keine Lobby haben. Der Artikel stimmt schon in grossen Teilen, vor allem wenn man sieht, wieviel Geld auf einmal da ist um die Banken zu retten.

    • fundwerke sagt:

      …leider wahr. Ähnliches trifft ja z.B. auch auf die Hebammen oder auch die Pflegeberufe zu. Leute in diesen Berufen setzen sich mitunter einer hohen emotionalen Belastung aus, haben eine enorme Verantwortung für das Leben anderer, bekommen aber viel zu wenig Anerkennung, von der monitären Anerkennung mal ganz zu schweigen.

  3. C.J. sagt:

    Dieser Beitrag ist zwar schon drei Jahre alt, aufgrund der aktuellen Streiks in den Kitas hat er aber an Aktualität nichts verloren.
    Ich selbst bin Ingenieur, mein Bruder ist Erzieher. Das Verhältnis unserer Gehälter ist buchstäblich 2:1, was aber in keinster Weise etwas über die Qualiät seiner Arbeit aussagt. Ganz ehrlich, selbst für das doppelte Gehalt könnte ich diesen Job nicht machen, deshalb habe ich vor der Arbeit eines Erzihers aller höchsten Respekt.

    Die Lobby, die Peter ansprach, ist bei Kindergärtnern tatsächlich nicht vorhanden. Der Job wird oft belächelt, man spiele den ganzen Tag mit den Kleinen und bekommt dafür auch noch ein paar Euros…was will man denn mehr!? Selbst würden aber die meisten den Job nach wenigen Tagen hinschmeißen, weil es eben doch nicht so einfach ist wie man denk.

    Ich hoffe die aktuellen Streiks haben etwas bewirkt. Ich selbst bin gerne bereit, für die Betreuung meiner Tochter etwas mehr zu zahlen. Denn seien wir mal ganz ehrlich, die Kosten für die Kinderbetreuung in Deutschland sind in Vergleich zu anderen Ländern lächerlich. Wer sein Kind in die Obhut anderer gibt, sollte für eine gute Bertreuung auch dementsprechend zahlen. Qualität hat eben ihren Preis…auch im Kinderkarten.

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