Die Nachricht, dass Facebook über ein neues Regelwerk abstimmen lässt, hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Darum hier gleich mal der Link zur Abstimmung für alle Facebook-Aktiven unter den Lesern:

Abstimmung über die Regelung der Facebook-Nutzung – wie häufig bei Facebook üblich, ist der Zugang zur Abstimmung nämlich nicht ganz so leicht zu finden.

Die Diskussion über das neue Regelwerk weckt in mir außerdem mal wieder einen weiteren Gedanken. Es stimmt – Facebook geht nicht gerade sensibel mit Daten um. Diese Tatsache ist aber nicht erst seit gestern bekannt. Jedes Facebook-Mitglied müsste doch wissen, dass man im Netz nicht komplett die Hosen runterlassen sollte.

Sollte nicht jeder,

der – übrigens freiwillig, es wird ja keiner dazu gezwungen – sich bei Facebook anmeldet, auch dafür sorgen, sich vor unerwünschten Blicken auf sein Profil zu schützen? Ich kann mich nur immer wieder darüber wundern, wie viele Profile für jedermann sichtbar sind; ohne jegliche Einschränkung, dafür aber mit persönlichsten Infos.

Ja,

es ist nicht immer einfach, bei Facebook die Seiten zu finden, auf denen an den entsprechenden Stellen die richtigen Häkchen gesetzt werden können.

Aber,

kann man von einem mündigen Facebook-User nicht erwarten, dass er sich informiert, sich auf dem Laufenden hält? Ein neues Auto kaufe ich doch auch nicht nur nach dem Aussehen, den Mietvertrag für eine Wohnung unterschreibe ich nicht, bevor ich die Wohnung nicht besichtigt und den Vertrag durchgelesen habe. Anders gefragt: Ist wirklich nur Facebook daran schuld, wenn User zwar die Vorteile des Netzwerkes für sich nutzen, sich aber nicht über die Risiken und Nebenwirkungen, die dieses Netzwerk mit sich bringt, informieren und dann ggf. mit entsprechenden Konsequenzen klar kommen müssen?

Nur mal so am Rand – für die Nutzung einer Google-Mail-Adresse entscheidet man sich auch freiwillig; wie auch für die Nutzung der Google-Suchmaschine sowie anderer Dienste.

Wie ich jetzt auf Google komme?

Ich mag es einfach nicht, dass sich Hinz und Kunz immer wieder über die Datenschutzproblematik bei Facebook aufregen, Google-Dienste aber ganz selbstverständlich täglich genutzt werden.

Schließlich ist Google bezüglich des Sammelns von Daten ebenfalls sehr fleissige: Click Tracking, Cookies, Log Files, JavaScript etc. Wer Googlemail verwendet, dem muss auch klar sein, dass Google alle Emails speichert und weiß, wie oft man sich einloggt, mit wem man kommuniziert, auf welche ausgehenden Links man klickt, welche Kontakte man in seiner Kontaktliste hat – von Google+ mal ganz zu schweigen. In dem Zusammenhang kann ich den Datenwachschutz | Blog von Heribert Wenthold als Informationsquelle zum Umgang mit Daten im Internet empfehlen.

Es bleibt dabei,

von der Informationspflicht als Nutzer/Käufer und noch mehr als mündiger Bürger entlässt man sich nur selbst.
Die Daten für Marktanalysen werden sowohl von Google als auch von Facebook nicht erst seit heute gesammelt.
Weder Facebook noch Google sind gemeinnützige Organisationen. Wer glaubt oder erwartet, dass es diese Unternehmen gibt, weil sie nur die Allgemeinheit glücklich machen wollen, ist naiv.

Wer nur gegen Facebook wettert, weil es ins allgemeine Feindbild passt, dort aber dennoch einen Account hat, diesen entweder fleißig nutzt oder ihn überhaupt nicht nutzt, aber dennoch nicht löscht, dessen bloße Kritik empfinde ich als fadenscheinig.
Wer seinem Kind bereits mit zehn Jahren einen Facebook-Account zugesteht (obwohl man Facebook nicht verwenden darf, wenn man unter 13 Jahre alt ist), die Kids aber nicht bei ihren Spaziergängen durchs Netz begleitet sowie ein gewisses Maß an Medienkompetenz vermittelt, sich dann aber darüber wundert, dass zur Geburtstagsparty der Tochter mehr als 1000 fremde Teenies an der Tür klingeln und der Stadtteil, in dem man wohnt, wegen Überfüllung vorrübergehend abgesperrt werden muss, der handelt in meinen Augen grob fahrlässig.

Nicht,

dass hier jetzt ein falscher Eindruck entsteht. Ich selbst habe einen Facebook-Account, den ich gerne nutze. Außerdem bediene ich mich der Google-Suche, verwende auch ein paar andere Google-Dienste.

Ich meine einfach, dass man, wenn man Soziale Netzwerke und Dienste nutzt, auch in der Pflicht steht, sich entsprechend darüber zu informieren.
Gefährlich ist: Viele Facebook- und/oder Google-User sind schlecht informiert.
Aber: das kann ja jeder für sich ändern – freiwillig.

Amüsant zum Thema

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5 Responses to Holschuld

  1. Javad sagt:

    Ich denke, dass sich facebook damit einfach eine Hintertür gezimmert hat. Die 30% werden nie zusammenkommen und damit können die Betreiber immer sagen, dass die User es ja nicht anders gewollt haben.

    • fundwerke sagt:

      …umso wichtiger ist es, an der Abstimmung teilzunehmen, wenn man von ihr weiß.

      • fundwerke sagt:

        „Facebook setzt die umstrittenen neuen Nutzungsbedingungen in Kraft. An der Abstimmung beteiligten sich nach Angaben des Unternehmens nur sehr wenige Mitglieder. Die votierten zwar fast einhellig mit „Nein“. Die Mindestbeteiligung von 30 Prozent weltweit wurde aber meilenweit verfehlt.“ – Deutschlandfunk

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