circle - digitaler Totalitarismus 2.0_fundwerke_112015Ich war auf den Roman sehr gespannt. Nun habe ich ihn schon seit längerer Zeit ausgelesen …

»Privatsphäre ist Diebstahl, teilen ist heilen.«

Groß angekündigt war eine brillante Analyse der Kehrseiten der digitalisierten Welt. Ein sogenanntes zweites, akutelles „1984“.

In seinem Roman „Der Circle“ präsentiert Dave Eggers einen Internetkonzern, der die totale Transparenz fordert. Ein aktuelles Thema – für meinen Geschmack aber leider etwas zu platt, zu flach angegangen.

Das Unternehmen Circle hat ein System namens TruYou entwickelt, das sämtliche privaten und beruflichen Aktivitäten im Internet zusammenführt, und damit ein Vermögen verdient. Zum einen setzt das Unternehmen dann das Geld ein, um seinen Mitarbeitern sämtliche Annehmlichkeiten zu bieten. Zum anderen investiert es in neue Produkte, die der Vision der totalen Transparenz immer näher kommen sollen.

Die Geschichte dreht sich um die junge Frau Mae Holland, die beim Internetkonzern The Circle eine Stelle im Kundenservice antritt. Sie ist von Anfang an begeistert; begeistert von der Zentrale aus Glas und Stahl inmitten grüner Hügel, vom kostenlosen Essen, vom Miteinander, von der Vision …

Mae übernimmt diese Ideologie mehr oder weniger ohne Widersprüche; nur selten blitzt ein kleiner Gedanke auf, der das ein oder andere Procedere in Frage stellt. Er verschwindet aber soll schnell, wie er gekommen ist. Es daueret nicht lange, da postet Mae alles, was sie tut, im sozialen Netzwerk des Circle. Sie trägt sogar ein Armband, das ihre Gesundheitsdaten laufend misst. Sie hängt Kameras im Haus ihrer Eltern auf, um ihren kranken Vater im Blick zu behalten. Sie lässt sich von der Chefetage davon überzeugen, „transparent zu werden“ und läuft fortwährend den ganzen Tag mit einer Kamera um den Hals herum, um zu zeigen, was sie tut. Damit wird sie zur Botschafterin dieser Firma und ihrer Ideologie.

Insofern ist das Thema an sich echt spannend. Aber beim Lesen erschienen mir die Charaktere zu simpel gestrickt, das Ganze sehr klischeehaft dargestellt. Manchmal wie ein schlechter Tatort im Fernsehen, bei dem alles so offensichtlich ist, dass man das Gefühlt hat, es gehe nur darum, mit einem reißerischen Thema Aufmerksamkeit zu bekommen, ohne mit der Geschichte dahinter dem Anspruch auch noch gerecht werden zu wollen.

Keine Frage, das Buch ist unterhaltsam. Die angekündigte, brillante Analyse des digitalen Zeitalters ist es für mich nicht.

Kein Vergleich zu George Orwells „1984“!

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