JA_ichwill_1_fundwerke_022013Am vergangenen Samstag war ich auf dem Land bei einem Dankgottesdienst zur goldenen Hochzeit einer herzensguten, echt fränkischen Frau – selten lernt man einen so positiv und lebensbejahend eingestellten Menschen kennen.

Die kleine Kapelle im 200 Seelendorf war gestopft voll – mehr als 70 Menschen waren gekommen, um dem Ehepaar zu gratulieren. Ein paar von uns haben daher vor der Kapelle im wärmenden Sonnenschein zugehört.

Nicht alles, was der Pfarrer so von sich gab, hat mir gefallen. Als „Evangelische“ tu ich mir da manches mal schwer. Gefallen hat mir aber, dass er an der ein oder anderen Stelle kein Blatt vor den Mund genommen hat. So meinte er, die beiden hätten sich doch eigentlich einen Orden verdient – 50 Jahre verheiratet, 7 Kinder, 14 Enkelkinder. Das, so sagte er, bekämen „die Großkopferten da oben in der Politik nur selten hin. Auch nicht der ehemalige Bundespräsident.“ Vom Staat sei also kein Orden zu erwarten. Aber auch nicht von der Kirche. „Die alten Priester und tattrigen Kardinäle“ hätten doch schließlich von all dem keine Ahnung!

Ich war sehr gerührt, als das „Jubel-Paar“ händchenhaltend aus der Kapelle hinaus in den Sonnenschein trat. Beide hatten Tränen in den Augen, lachten aber glücklich und dankbar. Unten stand der Gesangsverein schon bereit. Mitten auf der Straße warteten zwei Stühle auf das Paar; die Feuerwehr hatte kurzerhand die Hauptstraße gesperrt; vom Dach des Nachbarhauses wurden nicht zu überhören Raketen abgeschossen…

Eine dauerhafte Beziehung ist kein Kinderspiel. Ich hatte da ja auch schon so meine Beobachtungen gemacht. Und trotzdem wollte ich damals heiraten – für ein ganzes Leben zu meinem Mann JA sagen.

Ich würde immer noch JA sagen!

Das JA erfordert viel Beharrlichkeit, Willen, Kreativität, Eigeninitiative, Mut, Humor, Vertrauen und Liebe.

Bei meiner „ältesten“ Freundin – wir kennen uns tatsächlich seit unserer Geburt – wurde ich vor vielen Jahren ihre Trauzeugin, und sie die meine. Damals bastelte ich an der Glückwunschrede, die manche Gäste zum Schlucken und andere zum Schmunzeln brachte. Heute, fast 15 Jahren später, ist meine Freundin zum Glück immer noch mit dem selben Mann verheiratet. Ich musste glücklicherweise nicht auch noch Zeugin vom Ende werden, an keiner Abschiedsrede basteln.

Was ist mit den anderen Ehe-Paaren, die sich trennen?

Stirbt die Ehe aus?

Mit Sicherheit kann sie ganz unbemerkt ein bisschen dahinsterben, wenn man bereits mittendrin steckt. Weil man im Alltag so manches Mal das große Gefühl vergisst und vermisst, das da war, als man sich all die Dinge schwor und versprach.

JA zu einem Menschen zu sagen, dem man sich so sehr verbunden fühlt, dass man sich ein Leben ohne ihn an der Seite nicht mehr vorstellen kann, das ist erstmal nicht so schwer.
Zueinander im Alltag oder in schwierigen Zeiten weiterhin JA zu sagen, ist nicht mehr ganz so einfach. Da gibt es Stürme, Phasen, die einen zweifeln lassen. Aber die muss es wohl auch geben, um sich gegenseitig zeigen zu können, wie sehr man den Stürmen gemeinsam trotzen kann. Ohne Licht, kein Schatten. Ohne Kälte, keine Wärme.

Mein Herz hüpft, wenn ich sehe, wie ältere, „klassische“ Omas und Opas Händchen halten. Dann hoffe ich, dass sie schon vor langer Zeit zueinander JA gesagt haben – sich geschworen haben, gemeinsam respektvoll, achtend, stärkend, beschützend und liebend durch die Jahreszeiten ihres Lebens zu gehen.

Der Ring am Finger.

Für manche ist er eine Fessel. Sie ziehen ihn aus, wenn sie alleine unterwegs sind. Ohne meinen Ehe-Ring fühlt sich meine Hand aber  nackt an. Für mich ist er ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass man von jemandem gefunden wurde und selbst jemanden fand.

Und das Finden hört auch nach dem JA nicht auf. Es fühlt sich aber anders an. Man sucht sich immer wieder, um sich (wieder) zu finden.

JA gesagt zu haben, bedeutet auch, zu widerstehen. Zu widerstehen für etwas, was eine einzige Nacht oder ein heißer Flirt einem nie bieten kann: Wärme, Verbundenheit, Geborgenheit, Vertrauen, Stärke, tiefe Zuneigung.

Und wenn ich irgendwann mal diese Welt hier verlassen werde, dann hoffe ich, dass ich nicht einsam sterben werde. Ich habe etwas gefunden, das im JA zueinander seinen Ursprung hat; mit aller Transparenz, allen Sorgen, allen Ängsten und allen Falten, aber auch allen Freuden und Glücksmomenten.

Nicht: „Mein Freund. Mein Partner. Der Vater meiner Kinder.“
„Mein Mann!“ – das fühlt sich nach wie vor gut für mich an!

Da bin ich gerne altmodisch und glaube an die Ehe als etwas Besonderes.

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2 Responses to JA – ich will!

  1. JA,es ist ein herrliches Gefühl, diesen Weggefährten und Partner für’s Leben gefunden zu haben – das weiß ich aus eigener Erfahrung! Mir hat mal ein „knallharter“ Biker in einer Kneipe beim letzten Bier der Nacht gesagt:
    „LIEBE – das ist was ganz Tolles. HEIRATEN – ist die Steigerung. JA sagt man dann zu jemandem, wenn „ich liebe Dich“ nicht mehr ausreicht um zu beschreiben, was man für ihn/sie fühlt“ … soviel zu „knallhart“ :-)
    Das hat mich damals sehr berührt und mich zu meinem eigenen JA-Wort mit meinem jetzigen Mann begleitet – mit diesem Satz im Kopf habe ich von Herzen JA gesagt.

    Möge es immer so bleiben – das wünscht Dir und sich

    Karin

    • fundwerke sagt:

      „JA sagt man dann zu jemandem, wenn “ich liebe Dich” nicht mehr ausreicht (..).“

      Das ist wirklich eine sehr schöne Erklärung für das JA-Wort!

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