Zwei Sprengsätze explodieren an diesem Montag beim Marathon in Boston. Ich höre zum ersten Mal davon in den Nachrichten im Heute-Journal und bin entsetzt. Am Nachmittag noch habe ich meine Tochter zum Lauftraining für den Weltkulturerbe-Lauf in Bamberg gebracht…
Nach wie vor ist sich niemand sicher, wer hinter den Anschlägen steckt. Rechtsradikale Amerikaner? Ausländische Terroristen? Ein gestörter Einzelgänger? Wir wissen es immer noch nicht!

Umso erschreckender für mich zu lesen, wie manche Menschen ganz schnell meinen, den oder die Schuldigen zu kennen. In seinem Blog „Public Shaming“ veröffentlicht Matt Binder eine Auswahl von, wie ich meine, widerwärtigen Tweets, die innerhalb kürzester Zeit, nachdem die Tragödie passiert ist, im Internet verbreitet wurden – sie beschuldigen ohne Differenzierung die Muslime, die Araber, jeden, der nach Naher Osten aussieht oder klingt und auch US-Präsident Barack Obama. Kommentare zum Fremdschämen.

»Eine Kultur der Gewalt kultiviert gewaltige Tweets,«

so ein Facebook Nutzer über die bei Public Shaming öffentlich gemachten Tweets.

Erschreckend, aber ich befürchtet, er hat da nicht ganz Unrecht.
Die Meldungen über den Anschlag beim Boston-Marathon sorgen für Entsetzen in mehrerlei Hinsicht – dies ist auch im Social Web spürbar. Das Thema erlangt innerhalb kürzester Zeit eine enorme Reichweite.

Zum Glück gibt es jedoch auch andere, positive Reaktionen. Reaktionen, die zeigen, dass die Anteilnahme und Sorge vieler Online-Leser hierzulande zwar auch sehr groß ist, man aber nicht gleich einen Schuldigen aus dem Hut zaubern will. Wie groß, das kann z. B. gebündelt bei Virato (Virato bündelt aktuelle Nachrichten aus Nachrichtenportalen sowie Blogs und gewichtet diese anhand ihrer Verbreitung in Sozialen Netzwerken) nachgelesen werden.

Der Anschlag mobilisiert auch hoffnungsvolle Kräfte.

Im Angesicht des Schreckens wählten viele Menschen eine andere Richtung, als die oben erwähnten, ungebildeten Schwachköpfe. Viele eilten Verwundeten entgegen, egal welche Hautfarbe, welches Aussehen sie hatten, welche Sprache sie sprachen. Einige taten alles in ihrer Macht stehende, um zu helfen.
Trotz der Toten, Verletzten und Verstümmelten nach dem Anschlag in Boston gibt es auch genug Amerikaner, die keine Rachegefühle zeigen.

Jeder von uns hat die Möglichkeit, gegen Hasstriaden wie die oben angesprochenen anzukämpfen. Jeder von uns kann für einen kleinen Unterschied sorgen. Jeder von uns kann klar machen, dass er allgemeine Schuldzuweisungen an ganze Bevölkerungsgruppen nicht duldet, dass er nicht stumm bleibt.

Nicht jede Bombe macht einen lauten Knall. Nicht jede Wunde erzeugt einen Schrei. Einige Verletzungen schweigen. Einige Seelen sagen nie, wo es ihnen weh tut.

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