Entscheidungen_fundwerke_022015

»Ich liebe entscheidungs-freudige Ratz-Fatz-Erledigt-Menschen!«

habe ich vor ein paar Tagen meiner Freundin geschrieben, die ohne großes Hin und Her eine Sache schneller als der Wind für mich erledigt hat.

Klar, es gibt Fragestellungen, da lohnt es sich, ein wenig länger über eine Entscheidung nachzudenken. So oder so, eine Entscheidung sollte allerdings getroffen werden.

Was mich aber wirklich kirre macht, ist, wenn sich Leute überhaupt nicht entscheiden können, nicht Fisch, nicht Fleisch, mal Hü, mal Hott, mal ja, mal nein – immer mit dem „…., oder?“ hinter der verbal geäußerten Entscheidung unterwegs, die die vermeintlich einmal getroffene Entscheidung wieder komplett in Frage stellt.

Zum Thema „Entscheidungen treffen“, habe ich neulich etwas Interessantes online bei der Welt am Sonntag gelesen:

»Das bedeutet: Wir fürchten, eine falsche Entscheidung zu treffen, und die Angst vor dem dann folgenden Bedauern führt dazu, dass wir lieber erst gar keine Entscheidung treffen. Denn eine nicht getroffene Entscheidung bedauert der Mensch stets weniger als eine falsch getroffene.«

„…eine nicht getroffene Entscheidung bedauert der Mensch stets weniger als eine falsch getroffene“ – tatsächlich? Das mag auf manche Menschen zutreffen, auf mich persönlich allerdings nicht, da ich viel mehr glaube, dass der Mensch auf lange Sicht eher die nicht getroffenen Entscheidungen bedauert.

Wird doch der Berg, den man ohne das „Entscheidungen treffen“ vor sich her schiebt, immer größer, führt zu immer mehr offenen, ungeklärten Punkten, so dass man irgendwann noch nicht mal mehr mit Helm, Steigeisen, Seil, Spitzhacke oder Eispickel da hoch kommt. Immer bliebe etwas offen. Hätte man das Gefühl, so Vieles nicht erledigt zu haben. Und damit das Risiko einzugehen, dass der Zug irgendwann abgefahren sein könnte …
Zumindest würde es mir so gehen. Das würde mich emotional auf Dauer total überfordern.

Als ich mal in den USA gearbeitet habe, hat mir mein damaliger Chef für das Hängeregister auf meinem Schreibtisch unter anderem eine Mappe mit der Bezeichnung „PENDING“ (’schwebend‘) angelegt – je dicker die wurde, umso nervöser wurde ich.
Dann doch lieber „MISCELLANEOUS“ (‚Verschiedenes‘) – das konnte ich eigenständig abarbeiten, musste nicht auf die Rückmeldungen und damit Entscheidungen anderer Leute warten, um mit meinen Sachen voranzukommen.

Was kann einen also daran hindern, Entscheidungen zu treffen?

  • Angst vor der falschen Entscheidung?
  • Die ewige, nicht endend wollende Suche nach der perfekten Lösung, die es eigentlich nie im Vorfeld wissentlich gibt, weil man die Alternative ja nicht kennt oder lebt?
  • Den Grund/die Ursache aus den Augen zu verlieren, warum man eine Entscheidung fällen wollte?
  • Entscheidung immer als unumstösslich anzusehen?
  • Mangelndes Vertrauen auf die eigene Intuition und Entscheidungskraft?
Überhaupt, spätestens seit ich vor acht Jahren meinen Skiunfall hatte und mich jetzt über ein Jahr sehr intensiv mit dem Hospizgedanken auseinandersetze, versuche ich nach zwei sich auf den ersten Blick vielleicht widersprechenden Grundsätzen zu leben:
  1. „Lebe jeden Tag, als wäre es Dein Letzter!“
    und
  2. „Lebe jeden Tag, als wäre es Dein Erster!“

Damit wird auch die Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, geringer, Risiken erscheinen in einem anderen Licht, verlieren an Gewicht.

Aus jeder Entscheidung lerne ich, und versuche, mir das Staunen nicht abzugewöhnen.

Schließlich sind wir ebenso verantwortlich für all die Entscheidungen, die wir nicht treffen!

Jede nicht getroffene Entscheidung birgt die Gefahr, dass sie von einem anderen Menschen für uns getroffen wird.

Und das will ich für mich in den seltensten Fällen.

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