Spagat_fundwerke_052013… oder was hat eine Akrobatik-Übung mit dem schlechten Gewissen zu tun?

Ich behaupte mal, die meisten Männer haben kein Dauer-Schlecht-Gewissen gegenüber ihren Kindern, wenn sie Vollzeit arbeiten.

Was aber, wenn sich Frauen und Männer neben dem Beruf die Kinderbetreuung tatsächlich mal zur Hälfte aufteilen würden?
Ich meine dann, wenn wirklich beide Partner auch gleich viel arbeiten.
Mich würde interessieren, ob sich Männer dann schlechter und Frauen besser fühlen könnten. Oder ist das schlechte Gewissen einfach in den Genen von uns Frauen verankert, komme was wolle?

Wie ich jetzt darauf komme?

Eine Vollzeit arbeitende Freundin, in deren Familie die alten Muster wirklich komplett vertauscht sind – sie arbeitet, er ist Hausmann – sagte neulich, als sie davon erzählte, dass sie gerade für einen längeren Business-Trip in eine spannende Stadt packe:

»Ich frage mich, ob die Freude darüber überwiegt oder das Gefühl, doch abends bei der Familie sein zu müssen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass beides eintritt.«

Eine andere Freundin mit Mann an ihrer Seite sagte mal zu mir, die größte ihrer Ängste sei nicht die, etwas in ihrem Job falsch zu machen, sondern die Angst, neben der Arbeit alles emotional und logistisch mit den Kindern auf die Reihe zu bekommen.

Eine alleinerziehende und berufstätige Bekannte stellte fest, sie habe ein schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber, wenn sie sie alleine zu Hause lassen müsste (die Kinder sind in der weiterführenden Schule), um den Elternabend der Schule zu besuchen oder sie den Sohn mal nicht pünktlich zum Training bringen könnte, weil sie länger arbeiten müsse.

Eine andere Mutter, auch berufstätig mit zwei Kindern erzählte, ihr Mann lege sich, wenn er von der Arbeit nach Hause käme immer erstmal auf’s Sofa. Sie selbst habe aber erst Feierabend, wenn die Kinder gesund im Bett lägen.

Ist es nicht merkwürdig, dass das schlechte Gewissen wohl häufig der ständige Begleiter berufstätiger Mütter ist; einer zwar schon etwas älteren Studie der Universität in Toronto zufolge sogar ausschließlich der Mütter, aber nicht der Väter. Egal, ob diese Mütter die Hauptverdiener in der Familie sind, zusätzlich arbeiten gehen müssen, da das Geld sonst nicht ausreicht oder das Glück haben, freiwillig arbeiten gehen zu wollen.

Es gibt drei Formen des Spagats: den Querspagat, den Seitspagat und den Überspagat. Allein die Vorstellung aller drei Varianten verursacht bei mir Schmerzen in Hüfte und unterem Beckenbereich.

Ähnlich verhält es sich wohl auch mit Frauen bei der Frage nach der Berufstätigkeit von Müttern und dem damit verbundenen schlechten Gewissen. Dabei sagt die Frage, ob und wie eine Frau berufstätig ist oder nicht, ja erstmal noch nichts darüber aus, ob sie eine gute Mutter ist!
Alle Varianten sind möglich: volle Berufstätigkeit, Teilzeitanstellung, eine selbstständige oder gar keine Berufstätigkeit.
Ich kenne alleinerziehende, berufstätige Mütter mit fünf Kindern, vor deren Leistung ich in allen Bereichen nur den Hut ziehen kann. Ich kenne aber auch Mütter mit nur einem Kind und Partner, die von sich selbst sagen, alles sei super anstrengend, nie gäbe es einen Moment der Entspanntheit.

Die alten Muster sind leider präsenter, als wir es wahr haben wollen.

Obwohl sich die Gesellschaft verändert, Rollenmuster aufgeweicht werden: Die meisten Frauen scheinen sich nach wie vor für Haus und Heim hauptverantwortlich zu fühlen. Das beobachte ich nicht nur immer wieder in meinem Bekanntenkreis, sondern auch an mir selbst. Schnell zieht ‚man‘ sich als Frau den Schuh an, für das Wohl der Kinder die komplette Verantworung übernehmen zu müssen. Ganz unabhängig davon, in welcher beruflichen Situation die Frau gerade steckt.

Bei den Vätern scheint das irgendwie anders zu sein: Für sie ist es immer noch selbstverständlich(er), arbeiten zu gehen. Männer verstehen das Arbeiten als ihre Pflicht. Damit ernähren sie ihre Familie. Viele Aufgaben, die die Familie angehen, sind da eher eine Kürübung. Da darf dann schon mal ‚was hinten runterfallen, die Theateraufführung des Sohnes vergessen oder der Elternabend als lästiger Zusatztermin nicht besucht werden. Das wiederum kann aber die Männer in eine emotionale Zwickmühle bringen, die sich tatsächlich dem „Hausmannsein“ verschrieben haben.

Scheinbar lassen sich tradierte Geschlechterrollen doch nicht so schnell in unserem heutigen gesellschaftlichen Klima abschütteln, weder von dem einen noch von dem anderen Geschlecht.
Manchmal stehen wir uns beim Abschütteln sogar selbst im Weg, verharren im Spagat, wenn wir ihn einmal begonnen haben. AUTSCH!

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2 Responses to Spagat – alles eine Frage der Übung?

  1. Julia sagt:

    Ich treibe auch immer wieder gerne Sport, aber für Turnen hab ich irgendwie nicht die nötige Motivation und an Talent fehlt es wohl auch. Joggen, Schwimmen oder Tennis ist alles kein Problem, beim Anblick eines Spagats wird mir jedoch ganz anders. In dem Bereich bin ich einfach total talentfrei ;)

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