Früher, da dachte ich, ‚Heimat‘, dass sei da, wo ich aufgewachsen bin. Und ‚zu Hause‘ da, wo ich gerade lebe. ‚Heimat‘ und ‚zu Hause‘, das waren für mich zwei verschiedene Sachen. Inzwischen denke ich darüber anders.

 

Irgendwie ist ‚Heimat‘ ein merkwürdiges Wort. Schnell beschwört es kitschige Gedanken herauf, kann aber auch tiefe Sehnsüchte auslösen.

Nachdem wir nun schon eine Weile hier wohnen, habe ich mir überlegt, was das eigentlich ist – Heimat? Was ist Heimat für mich? Wo finde ich diese Heimat?

Nach unserem Umzug fragten mich die Leute unter anderem immer wieder, ob ich mich schon eingelebt hätte. Meine Antwort darauf war schwierig und nicht immer ganz ehrlich. Ja, es gefiel mir – aber…
Obwohl rein äußerlich nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts dagegen sprach, sich heimisch fühlen zu können, war ich nicht wirklich angekommen. Ich fühlte mich wie eine Pflanze, die man zwar sauber umgetopft, dann aber vergessen hatte, regelmäßig zu gießen und an die Sonne zu stellen; Wurzeln schlagen geht nicht ohne Wasser, Aufblühen ohne Sonne auch nicht…

Wenn ich mich schon so fühlen konnte, wie fühlen sich dann erst die Menschen, die fliehen müssen, nicht freiwillig ihr Zuhause verlassen, die Umzüge nicht planen, sich nicht bewußt für einen Ortswechsel entscheiden können? Hat der Heimatbegriff für dieses Menschen vielleicht eine ganz andere Bedeutung?

Warum gibt es Heimatvertriebene, die, obwohl sie damals noch als Kind ihr Zuhause verlassen mussten, nach wie vor sagen, ihre Heimat sei in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, während andere, die in der gleichen Situation waren, sagen, sie hätten zu diesem Fleckchen Erde keinerlei Bindung mehr, geschweige denn Ansprüche?

«Heimat ist ein sehnsuchtsvolles Ding»,

so habe ich es neulich mal an anderer Stelle gelesen. Leider weiß ich nicht mehr wo.

Ist Heimat ein Ort, ein Land oder das Haus, in dem man aufgewachsen ist?
Kann man in Freundschaften, der Familie oder in einem Hobby ein Stück Heimat finden?
Kann Heimat eine Stimmung sein, die man festhält oder ist Heimat so flüchtig wie Gerüche oder Geräusche?
Oder ist Heimat ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ort und dessen besonderem Zauber, den er auf einen Menschen ausübt?
Ist Heimat das, was man daraus macht?

Heimat, das ist für mich

der Mittelpunkt einer Welt, meiner Welt. Ein ideeller Platz mit Geborgenheit, Sicherheit und begreifbaren Grenzen, die mich im Leben beheimaten. Für mich ist Heimat nicht der eine Ort – dafür bin ich schon zu oft umgezogen. Heimat ist da, wo meine Familie ist – mein Mann und meine Kinder. Heimat ist für mich aber auch dort, wo meine Freunde sind. Wenn ich mit ihnen zusammen bin, mich wohl fühle. Daher spüre ich mich auch mit Menschen besonders heimisch, mit denen ich ganz spezielle Erinnerungen teile. Heimat, das ist Familie und Freunde, das sind Wasser und Sonne, das ist dort, wo mein Herz ist: Hessen, Bayern, Nordrheinwestfalen, Amerika, Niedersachsen, Nordrheinwestfalen, Bayern – und manchmal eben auch einfach der kleine Steg am Gartenteich.

Meine Heimat, das ist wohl eher ein Gefühl, kein Punkt auf einer Landkarte. Im Umkehrschluß bedeutet das aber auch, dass Heimat bei mir nie etwas Endgültiges sein kann. Gefühle können sich schließlich ändern. Ein wenig beängstigend, wo ich glücklicherweise inzwischen angekommen bin.

Interessant finde ich natürlich auch, was Freunde, Nachbarn, Besucher und Fremde über Heimat denken!?!

Gerade heute habe ich eine alte Damen im Auto mit in die Stadt genommen. Sie stand trampend am Straßenrand, hatte den Bus verpasst und wollte auf keinen Fall ihren Friseurtermin so kurz vor Weihnachten sausen lassen. Schließlich hatten sich ihre beiden erwachsenen Söhne zum Besuch angekündigt. An ihrer Stimme erkannte ich gleich, dass sie auch nicht von hier kam. Als ich nachfragte, sagte sie mir, sie stamme aus Nordrheinwestfalen, und obwohl sie schon seit 30 Jahren hier lebte, habe sie sich nie richtig eingelebt… Aber Freitags, das sei der Tag, an dem sie sich fast heimisch fühlen könnte, da hole sie sich beim Bäcker immer frische Rosinenbrötchen.

Und, worüber ich mich nach wie vor wundere: Heimat – warum gibt es keine Mehrzahl zu diesem Wort?

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4 Responses to Heimat

  1. Margot sagt:

    ich glaube, manchmal fühlt man sich erst dann an einem Ort/einer Person heimisch, wenn man ihn/sie verlassen muss. Das, was normal und Gewohnheit ist, erweckt keine Sehnsuchtsgefühle. Erst wenn man es verlieren könnte.

  2. fundwerke sagt:

    HEIMAT, ein Thema, das viele beschäftigt. Geboren hier, aufgewachsen dort und arbeiten woanders. Globalisierung – geht damit das Heimatgefühl verloren? Eine schöne Blogparade zu diesem Thema gibt es aktuell auch bei Katja Wenk. Wer an der Blogparade „Was ist eure Heimat“ teilnehmen möchte, kann das über diesen Link noch bis zum 25. August tun.

  3. Torsten sagt:

    Viel Urlaub und Reisen gehört ebenfalls dazu: Manchmal muss man auch einfach erst einmal viel reisen und die Welt entdecken, um seine Heimat überhaupt erst richtig schätzen zu lernen! (Das ist zumindest meine bescheidene Erfahrung und erst durch das Reisen auf der ganzen Welt bin ich so richtig heimatverbunden geworden)

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